Pfarrbrief

GRUSSWORT PFARRBRIEF DEZEMBER 2021 / JANUAR 2022
PFARRER ARDUINO MARRA

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, werte Leserinnen und Leser,

so sieht das neue Pfarrblatt (oder die neue Ausgabe der Pfarrnachrichten) nun aus. Nach vielen Überlegungen hat dieses Heft den Titel „Johannesbote“ erhalten, selbstverständlich in Anlehnung an den Schutzpatron der neuen Pfarrei, den Hl. Papst Johannes XXIII.

Nachdem Papst Pius XII. 1944 den damals noch in der Türkei als Apostolischer Delegat wirkenden Erzbischof Angelo Giuseppe Roncalli zum Nuntius in Frankreich ernannte, schrieb dieser in einem Brief an einen Freund: „Wenn die Pferde fehlen, müssen eben die Esel laufen!“ Er war nämlich nicht die erste Wahl für diese Mission gewesen. Für den Auftrag in Paris war eigentlich der damalige Nuntius in Argentinien vorgesehen, der aber aufgrund seines prekären gesundheitlichen Zustandes den schwierigen Posten ablehnen musste. Es wird überliefert, dass auch 1958, als das Konklave einberufen wurde, eigentlich der noch viel zu junge Erzbischof von Mailand, Eugenio Montini (später Papst Paul VI.) schon als möglicher Papst gehandelt wurde. Auch hier war Roncalli also die zweite Wahl. Man hatte im älteren gutmütigen Patriarchen von Venedig eine Übergangsgestalt gesehen, der wohl keine großen Veränderungen hätte bewirken können. Was aber ein alter Esel alles so leisten kann! Seine Intuition und seine Weitsicht, verbunden mit seinem Mut und seiner Nähe zu den konkreten Menschen, bewogen ihn dazu, einen Prozess der Erneuerung der Kirche in Gang zu setzen, der heute noch andauert. Er berief das Zweite Vatikanische Konzil mit der Absicht ein, „die Fenster der Kirche aufzumachen, um frische Luft eintreten zu lassen“.

Mit der Errichtung einer neuen Pfarrei und den daraus resultierenden neuen Strukturen sowie mit der personellen Veränderung bei Haupt- und Ehrenamtlichen eröffnet sich die Möglichkeit, dass neue Luft rein kommt. Der göttliche Geistesodem, die „Ruach“ Gottes ist es, die die Kirche stiftet, hält und ständig neu macht.

Ich wünsche mir, dass wir alle uns von der Kraft und der Dynamik des Heiligen Geistes erfüllen, bewegen und leiten lassen. Ich erhoffe mir, dass die verständlichen Ängste vor Veränderungen und Verlust, dass etwaige Befürchtungen und Besorgnisse durch Zuversicht auf Gottes Wirken und Vertrauen auf seine Anwesenheit mitten unter uns überwunden werden. Dann wird das Antlitz unserer Kirche vor Ort neu – sei es in den einzelnen Gemeinden, sei es an den Orten kirchlichen Lebens, sei es in unseren Gruppen und Kreisen, wie auch in der Gesamtheit einer Großpfarrei.

Mein persönlicher Weg hat mich von Winterthur in der Schweiz, wo ich 1969 in einer italienischen Familie geboren wurde, über Perugia und Assisi in Italien, 1994 nach Berlin geführt, wo ich 2007 durch Kardinal Georg Sterzinsky die Priesterweihe empfangen durfte. Über Frankfurt/O., Spandau, Mitte, Nauen und Reinickendorf Nord bin ich schließlich vor etwas mehr als einem Jahr im Süden von Berlin angelangt.

Ab 1. Januar 2022 darf ich als Leitender Pfarrer der neuen Pfarrei Hl. Johannes XXIII. Tempelhof-Buckow wirken. In all diesen Jahren durfte ich vielen Schwestern und Brüder begegnen, sie kenne lernen und mit ihnen zusammen arbeiten. So konnte ich viele kostbare Erfahrungen machen und lernen, mich immer wieder auf neue Situationen, auf ein neues Umfeld und neue Menschen einzulassen. Das braucht freilich Zeit, Ausdauer und Geduld.

Ich habe auch mich selbst immer tiefer kennen lernen können und bin so zur Einsicht gelangt, dass ich nicht den perfekten Leiter verkörpere, dass ich nicht unbedingt „die erste Wahl“ für eine solche Aufgabe bin. Aber ich brauche es auch nicht zu sein: Ich weiß, dass ich auf kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Haupt-, Neben- und Ehrenamt zählen kann.

Daher freue ich mich auf unseren gemeinsamen Weg auf Gott und auf die Menschen zu. Denn auf jede und jeden kommt es an. „Wenn die Pferde fehlen, müssen die Esel laufen“.

Ihr/euer Pfarrer Arduino Marra